Pfand für Kaffeekapseln

Pfand für Kaffeekapseln

Es soll ein Pfandsystem oder eine zusätzliche Abgabe für Nespresso und CO eingeführt werden. Ein kleiner Beitrag zur Müllreduzierung.


Hamburg, 01. April 2016.

Kaffee ist das Lieblingsgetränk in der Bundesrepublik Deutschland mit einem jährlichen Pro-Kopf-Konsum von rund 162 Liter. Der Anteil von Kapseln am Gesamtröstkaffeemarkt beläuft sich auf knapp fünf Prozent.

Kaffeekapseln erfreuen sich zum einen großer Beliebtheit, weil diese eine schnelle und unkomplizierte Kaffeezubereitung in gleichbleibender Qualität je Tasse Kaffee ermöglichen. Zum anderen führen die grundsätzlichen Veränderungen des Wohn- und Essverhaltens in Deutschland zu einem veränderten Konsumverhalten. Durch die Zunahme kleinerer Haushalte und die Abnahme gemeinsamer Frühstücke und Mahlzeiten in der Familie kaufen Verbraucher zunehmend Lebensmittel in kleineren Einheiten oder in Einzelportionseinheiten - und zwar nicht nur mit Blick auf die Frische, sondern auch, um das Wegwerfen von Lebensmitteln zu reduzieren. Diesen Trend bedienen u. a. Joghurtbecher, kleinere Einheiten von Brotaufstrich oder die Kaffeekapsel.

Als Lieblingsgetränk der Deutschen steht Kaffee gelegentlich im Fokus der medialen Berichterstattung sowie der Umwelt- und Verbraucherorganisationen. So wird vereinzelt die Forderung aufgeworfen, für Kaffeekapseln sei ein eigenes Pfand- oder Rücknahmesystem einzuführen oder eine steuerrechtliche Sonderabgabe auf Kaffeekapseln zu erheben. Begründet wird diese Forderung meist mit dem Verweis auf den höheren Verpackungsanfall der Kapseln im Vergleich zu anderen Verpackungsformaten von Kaffee. Es ist sicherlich richtig, dass bei der Kaffeekapsel – wie bei jeder Einzelportion – der Verpackungsaufwand höher liegt als bei der Mehrportionenpackung. Zugleich schätzt der Konsument die Kaffeekapsel, gerade weil sie eine Einzelportion darstellt. Die Forderung nach Einführung eines Pfand- oder Rücknahmesystems für Kaffeekapseln verkennt jedoch, dass in Deutschland mit dem Dualen System bereits ein funktionierendes Rücknahmesystem mit angeschlossenem Recycling existiert (beim Konsumenten meist als „Gelbe Tonne“ oder „Gelber Sack“ bekannt). Viele Kaffeekapseln können vom Verbraucher schon heute in die gelbe Tonne oder in den gelben Sack gegeben werden und werden dadurch den Recyclinganlagen zugeführt – unabhängig davon, ob sie noch den Kaffeesatz enthalten.

Der mit der Forderung nach einem Rücknahmesystem oftmals verbundene Verweis auf andere Länder, in denen es ein Rücknahmesystem für Kaffeekapseln gibt (z.B. Schweiz), läuft ins Leere, weil in diesen Ländern den Konsumenten gerade keine „gelbe Tonne/gelber Sack“ zur Verfügung steht.

Die Einführung eines eigenständigen Pfand- oder Rücknahmesystems für Kaffeekapseln mit angeschlossenem Recycling würde das bestehende Rücknahmesystem des Dualen Systems lediglich duplizieren – aber mit zusätzlichen logistischem Aufwand und entsprechendem Ressourcenverbrauch. Des Weiteren gibt es am Markt Kapselhersteller, deren Kapseln nach eigener Aussage kompostierbar sind. Auch für diese Art der Kapseln wäre ein eigenständiges Pfand– oder Rücknahmesystem überflüssig, da solche Kapseln entweder in der gewerblichen oder privaten Kompostierung Verwendung finden können. Die teilweise erhobene Forderung nach Einführung einer steuerrechtlichen Sonderabgabe auf Kaffeekapseln ist zum einen hinsichtlich der rechtlichen Durchführbarkeit sehr umstritten, zum anderen ist auch deren Wirkung sehr zweifelhaft: Durch die die künstliche Verteuerung der Kapsel mittels einer Steuer oder Abgabe könnte die Kapsel entweder nur noch von finanzstarken Konsumenten gekauft und genutzt werden. Oder die Verbraucher weichen von höher preisigen auf deutlich günstigere Kapseln aus, um weiterhin Kapselkaffee trinken zu können. Daher wäre eine künstliche Verteuerung der Kapseln durch den Staat entweder sozial ungerecht oder wirkungslos.

Fazit:
Die Kaffeekapseln erfreuen sich als Einzelportion bei Konsumenten wachsender Beliebtheit. Zugleich steht mit dem Dualen System – bekannt als „Gelbe Tonne“ oder „Gelber Sack“ – eine bereits etablierte Rücknahme und Recyclingmöglichkeit zur Verfügung. Sowohl die Einführung eines Pfand-/ Rücknahmesystems als auch die Einführung einer steuerrechtlichen Sonderabgabe würde ins Leere laufen und somit eine ökologische Lenkungswirkung nicht entfalten.

Ergänzung Ökologischer Fußabdruck
Zur ökologischen Bewertung eines Produktes ist die Berechnung des sogenannten „ökologischen Fußabdruckes“ notwendig. Dabei wird nicht nur die Verpackung des Produktes sondern der gesamte Produktzyklus betrachtet - vom Anbau der verwendeten Rohstoffe bis zur Benutzung des Produktes durch den Konsumenten.

Eine Methode zur Berechnung des ökologischen Fußabdrucks, die unterschiedliche Produkte miteinander vergleichen lässt, gibt es noch nicht. Pauschale Aussagen zum ökologischen Fußabdruck von Kaffeekapseln sind daher aktuell nicht möglich. Eine solche Berechnungsmethode wird derzeit von der EU-Kommission für verschiedene Produktgruppen entwickelt unter dem Titel „PEF: Product Environmental Footprint“. Kaffee stellt dabei eine Pilot-Kategorie dar, für die eine solche Berechnungsmethode entwickelt wird.
Die Kaffeebranche hat an diesem EU-Projekt ein großes Interesse und bringt sich daher maßgeblich ein.
Weitere Informationen: http://ec.europa.eu/environment/eussd/smgp/ef_pilots.htm

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